Langportrait

Die Familiensaga erzählt, dass 1951, als ich im Zeichen des Skorpions geboren wurde, das Mondlicht hoch am Himmel stand. Das war der Beginn meiner Beziehung zur Mondgöttin SELENE, die mich seitdem mein ganzes Leben lang begleitet hat. Als Kind sah ich nachts im Mondlicht die Elfen über dem See tanzen, als Erwachsene erhielt ich meine erste magische Initiation im Zeichen der Vollmondkraft, und im Jahr 2000 schickte sie mir in einer Krankheitskrise eine Vision von Tod, Selbstauflösung und Wiedergeburt in Gestalt eines Schmetterlings, der mit leuchtend bunten Flügeln in die Welt fliegt – genau über einem Klatschmohnfeld! Auch in einer von 2009-2011 durchlittenen Hirntumorerkrankung war mir das Himmelslicht zugleich Vision und tröstliches Zuhause.

WORTE DER STERNENGÖTTIN:
Wann immer ihr etwas braucht,
sollt ihr euch einmal im Monat,
am besten, wenn der Mond voll ist,
versammeln…

Das leuchtende Rot der Klatschmohnblüten, das übrigens auch die Farbe des chemischen Elements Selen ist, symbolisiert für mich die Farbe des vollen, authentischen Lebens. Zugleich ist es die Farbe des Wurzelchakras, das unser So-Sein in der Welt zum Ausdruck bringt. Vielleicht ist diese starke Bindung an Verwurzelung der Grund dafür, dass für mich in der Spiritualität eine stabile Erdung das Allerwichtigste ist, wichtiger noch als das freie Fliegen in der Ekstase. Aber das Fliegen kommt gleich als zweites!


Mein beruflicher Lebensweg begann mit einer körpertherapeutischen Ausbildung, und nachdem ich mein Diplom als staatlich anerkannte Krankengymnastin in Händen hielt und zwei bezaubernde Töchter geboren hatte, folgten jede Menge Zusatzausbildungen und Zertifikate im psychologischen und körpertherapeutischen Bereich.

Außerdem studierte ich Religionswissenschaft, Psychologie und Pädagogik, alles mit Schwerpunkt Frauenforschung. Mich interessierte alles, was mich als spirituelle Frau weiterbrachte; meistens arbeitete ich über Matriarchate, Rituale, Mysterienkulte und Hexen und gab 1985 meiner Diplomarbeit den etwas großartigen Titel Die Frau und das Heilige. Ein paar Jahre später machte ich, etwas bescheidener und konkreter, im Rahmen meiner Doktorarbeit eine Untersuchung darüber, warum eigentlich genau Frauen und ihre Spiritualität in unserer Gesellschaft ‚Randgruppenphänomene‘ sind. Daraus wurde 1991 das Buch Ethik und Geschlecht, ich war Dr. phil. und versuchte fortan, die Uni als Wissenschaftlerin und Frauenbeauftragte zu einem produktiveren Ort für Frauen zu machen. Von 1988 bis 2008 unterrichtete ich an der Uni Bremen und an anderen Universitäten Ritualforschung, Neopaganismus und Frauenforschung. Zugleich setzte ich meinen Weg als freiberufliche Ritualleiterin fort.

Ich, die ich die Schönheit der grünen Erde bin
und die weiße Mondin unter den Sternen
und die Mysterien der Wasser…

Mein spiritueller Weg führte mich zu den unterschiedlichsten AnbieterInnen von alternativer Religiosität in Europa und in den USA und ließ mich 1987 Starhawk finden, die zu meiner Lieblingslehrerin wurde. Ihr verdanke ich eine solide Schulung in den Feinheiten der Ritualkunst sowie die Überzeugung, dass auch und gerade in den Tiefen religiöser Hingabe alles besser geht mit Humor!

Wie es sich fügte, gaben mir alle Ausbildungen wertvolle Werkzeuge mit auf meinen Weg, spirituelle Prozesse und unterschiedliche Ritualformen immer besser zu verstehen. Ich bin voll Dankbarkeit dafür, dass mir viele Ritualgruppen und religiöse Gemeinschaften erlaubt haben, mit ihnen zu feiern. So konnte ich an den Praktiken teilhaben, die die unterschiedlichen Traditionen anwenden: jüdisch-christliche, buddhistische, schamanistische; Sufis, Asatru, Tantriker; Druiden und die verschiedensten Zweige der Göttinbewegung. Auf wundersame Weise landete ich während dieser ‚Lehr- und Wanderjahre‘ immer wieder bei den Neuen Hexen und der Reclaiming-Community, wohl nicht zuletzt wegen des ekstatischen Elements und der Musikalität, die mir für lange Zeit zur spirituellen Heimat wurden.

Mein Gesetz ist: Liebe zu allen Wesen

Seit 1985 feiern wir in Bremen rund ums Jahr die acht Jahreszeitenfeste und andere Rituale. 1996 gründeten wir das Norddeutsche Reclaiming-Witchcamp, auch Feencamp genannt, eine regelmäßig stattfindende Intensiv-Ritualwoche mit amerikanischen und deutschen Lehrerinnen, in der Frauen aus ganz Deutschland zusammenkamen. Das Feencamp bestand bis 2006.

2001 gründete ich das SELENE-Institut, das die Arbeit, die sich in meinem Leben über mehr als zwei Jahrzehnte aufgebaut hatte, in Ritualen, Workshops und Vorträgen bündelt.
Die Workshops sind vor allem ein Ort, um individuelle spirituelle Kompetenz zu erwerben und zu vertiefen. Da wir in einer Kultur leben, die in den Menschen so gut wie keine religiös-spirituelle Kompetenz ausbildet, hat auch kaum jemand wirklich gelernt, mit der spirituellen Dimension umzugehen, und kaum jemand ist mit den Wegen und Techniken vertraut gemacht worden, die den Zugang zu den ‚heiligen Dingen‘ eröffnen. Von daher sind die meisten Menschen abhängig von offiziellen oder selbsternannten Priestern, Experten, Seelenhirten, Geistesführern und Gurus. Dass diese Spezialisten in den allermeisten Fällen Männer von patriarchalem Zuschnitt sind, macht es gerade für Frauen noch schwieriger.

Alle Akte der Liebe und Freude
sind meine Rituale

Hier setzt das SELENE-Institut mit seinen Angeboten an, in denen es darum geht, unser spirituelles Leben in die eigene Hand zu nehmen. Dazu gehört, sich erst einmal darüber bewusst zu werden, was die spirituelle Dimension im eigenen Leben überhaupt bedeutet, und sodann die Mittel und Techniken zu erlernen, mit dieser Dimension zu arbeiten. In den Ritualen erarbeiten wir uns die theoretische und vor allem die praktische Kompetenz, Rituale in Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu gestalten. Dies kann sowohl in einem geschützten Raum nur unter Frauen stattfinden als auch in der Gemeinschaft von Frauen und Männern.

Als Ausdruck gelebter Spiritualität versuchen mein Mann Christopher und ich, spirituelle Aspekte in die Gestaltung unseres Hauses und Gartens einfließen zu lassen. Kleine Altäre mit jahreszeitlich wechselnder Symbolik, eine Sonnenuhr für die vier Elemente, der Grüne Mann und verschiedene Feen und Naturgeister gehören zu unserem Zuhause, genauso wie die kleinen und größeren Rituale des Alltags.

Eine lebendige religiöse Zeremonie ohne Gesang und Rhythmus kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Deshalb ist die Musik ein besonderer Schwerpunkt in meiner Ritualarbeit: das Singen, Tönen und Chanten im heiligen Raum. Ich hatte das Privileg, lange Zeit bei verschiedenen wunderbaren Gesangslehrerinnen und -lehrern studieren zu dürfen, und die Umsetzung des Gelernten in die Besonderheiten des Ritualsingens ist mir bis heute eine Herausforderung und tiefe Freude. Im Laufe der Zeit wurde mir die Arbeit mit Trance-Zuständen zu einem besonderen Schwerpunkt und die Rahmentrommel zu meinem bevorzugten Instrument.

Wenn ihr das, was ihr sucht,
nicht in eurem Inneren findet,
werdet ihr es im Außen niemals finden

Neben all diesen Dingen bin ich immer noch und immer wieder mit Begeisterung

– Tantrika, Gärtnerin, Chorsängerin,
– Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin,
– Familienfrau, Mutter und Großmutter,
– und seit meiner ‚Wiedergeburt‘ nach schwerer Krankheit – Lebenskünstlerin 😉

Mein Lieblingsvers aus dem Lied der Sternengöttin besagt:
Alle Handlungen der Liebe und Freude sind meine Rituale.
Genauso empfinde ich meine Energie- und Ritualarbeit!